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Yoga als Therapie bei Menstruationsbeschwerden

Aktualisiert: 29. Feb. 2024

eine wissenschaftliche Arbeit


6. Literaturverzeichnis

frau die yoga macht


1. Einleitung


Aktuell praktizieren 5% der Deutschen regelmäßig Yoga, das hat eine repräsentative BDY-Studie, in welcher 2000 Männer und Frauen ab 14 Jahren befragt wurden, ergeben (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V., 2018). Die Yoga-Praxis zeigt außerdem eine steigende Tendenz und wird deutlich öfter von Frauen (rund 9% der Gesamtbevölkerung in Deutschland) als von Männern (rund 1%) praktiziert. Als Hauptgründe für das Üben von Yoga haben 66% der Befragten die Verbesserung des körperlichen Befindens und 64% die Verbesserung des geistigen Befindens angegeben. In den letzten Jahren hat sich Yoga zu einem überaus beliebten Forschungsfeld entwickelt. Dass es sich positiv auf körperlicher, sowie geistig-seelischer Ebene auswirkt, belegen immer mehr Studien (BDY, 2015; Dutta, A., et al., 2022). Es kann bei verschiedenen Schmerzen helfen (Saper, R.B. et al., 2017; Yonglitthipagon, P. et al., 2017; Kirca, N. & Celik, A. S., 2023), Stress und Angst reduzieren (Pascoe, M.C., Thompson, D.R., Ski, C.F., 2017), Bluthochdruck verbessern (Cramer, H., Sellin, C., Schuhmann, D., Dobos, G., 2018) und sich positiv auf das kardiovaskuläre-, und autonome (Nerven-) System auswirken (BDY, 2015; Nivethitha, L. Mooventhan, A., Manjunath, N.K., 2016; Dutta, A., et al., 2022).


2. Yoga (-therapie)


Der Begriff „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit (altindische Sprache) und kann mit „Einheit“ oder „Verbindung“ übersetzt werden. Yoga kann als ganzheitlicher Übungsweg, der alle Dimensionen menschlichen Seins umfasst, verstanden werden. Die Ursprünge fußen in der altindischen Weisheits- und Lebenslehre (BDY). Betrachtet man die öffentliche Wahrnehmung und mediale Darstellung des Yoga, so fällt einem die erstaunliche Spannweite des Verständnisses, der Stile und Inhalte auf. Auf der einen Seite wird Yoga als Entspannungsverfahren, welches hauptsächlich aus Atemübungen und Meditation besteht, verstanden. Auf der anderen Seite wird es als „exotischer“ Sport gesehen, welcher Ausdauer und Kraft beansprucht. Zum einen ist es ein effektives Verfahren zur Entspannung und Stressreduktion und hilft dem Nervensystem von einem sympathischen (stressanfälligen) in einen parasympathischen (entspannten) Zustand zu kommen, besonders bei Yoga-Silen wie Yin-Yoga, Yoga-Nidra oder Kundalini Yoga. Daneben kann es kräftigend und Herz-Kreislauf anregend wirken, gerade bei dynamischem Yoga wie Vinyasa, Ashtanga-Yoga oder Power-Yoga. Die Einordung von Yoga als Entspannungsverfahren, gesundheitssportliche Aktivität oder therapeutische Methode hängt von dem jeweiligen Stil und den Inhalten des Yoga-Programms ab. Typischerweise werden Körperhaltungen (Asanas) mit Atemübungen (Pranayama) und Meditation kombiniert. Yoga kann durch seine Vielfältigkeit unterschiedlich eingesetzt werden und bietet für Jedermann und -frau mit verschiedensten Bedürfnissen vielförmige Möglichkeiten (BDY, 2015; Dutta, A., et al., 2022).

Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V. hat 2015 eine übersichtliche Broschüre mit dem Titel „Yoga in Prävention und Therapie – eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme“ herausgebracht. Diese ist eine Zusammenschau der bis dahin aktuellen Forschungsergebnisse von Studien im Bereich Yoga in der Gesundheitsprävention und Therapie. In dieser Übersicht wird besonders die positive Wirkung der Yoga-Praxis auf gesellschaftlich wichtige Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Brustkrebs, Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 dargestellt. Diese Broschüre stellt das Wachstum der Yoga-Forschung bis 2015 gut dar, wobei ein neueres Review aus dem Jahr 2022 46 Yoga-Studien aus dem Jahr 2020 zu Themen wie mentale Gesundheit und Neuropsychologie, Stress und Depressionen sowie mehrere Herz-Kreislauf Parameter untersucht. Es zeigt, dass die Yogaforschung weiterwächst, dass Yoga eine immer größer-werdende Rolle bei der Behandlung von nichtübertragbaren, lebensstil-bedingten, chronisch-degenerativen Krankheiten und Beschwerden spielt und zunehmend interessanter für zukünftige therapeutische Implikationen in Medizin- und Gesundheitswesen wird (BDY, 2015; Dutta, A. et al., 2022).

Yoga gezielt therapeutisch einzusetzen wird populärer. Das Ziel der Deutschen Gesellschaft für Yogatherapie (DeGYT) ist es, die ganzheitlichen Lehren und Praktiken des Yoga zum Erhalt von Gesundheit oder Heilen von Krankheiten einzusetzen. Begleitend strebt sie an, Yogatherapie als eine anerkannte begleitende Behandlungsform bei definierten Krankheitsbildern im deutschen Gesundheitssystem zu etablieren. An die Bedürfnisse, Beschwerden und Fähigkeiten des Einzelnen angepasst, kann Yoga als Therapie schulmedizinische und alternativmedizinische Behandlungen unterstützen, jedoch nicht ersetzen und ist in diesem Sinne als komplementäre Therapie zu verstehen. Der therapeutische Weg des Yoga ist sehr ganzheitlich, bezieht die physische und emotionale Ebene mit ein, arbeitet ressourcenorientiert und kann in einer Gruppe oder Einzeln (Yogatherapeut und Klient) erfolgen. Dieser Weg basiert außerdem auf dem selbstständigen Üben der Betroffenen, ist also als ein aktiver Prozess, bei welchem Autonomie und Selbstverantwortung gefragt ist, zu sehen (DeGYT). Die wissenschaftliche Forschung zur Yogatherapie als solche (nach DeGYT definiert) steht noch am Anfang, wobei der Diskurs, Yoga therapeutisch einzusetzen sehr aktuell ist (DeGYT; Mohammad, A., et al., 2019; Barcikowska, Z. et al., 2020; Dutta, A. et al., 2022; Gutman G., Nunez, A.T., Fisher, M., 2022)



3. Menstruationsbeschwerden

Durch die Kontraktion der Gebärmutter, die nach einer nicht erfolgten Schwangerschaft die gebildete Gebärmutterschleimhaut abstößt, können bei Frauen während der Menstruation Beschwerden entstehen. Typische Menstruationsbeschwerden sind: schmerzhafte, teils kolikartige Krämpfe im Unterleib, die bis in den Rücken oder in die Oberschenkel ziehen können; Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, bei einigen Frauen auch Verstopfung; sehr starke Blutungen; unreine Haut; Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und Erschöpfung; Kopfschmerzen und Migräne. Bei vielen Frauen leidet das Allgemeinbefinden erheblich – bis hin zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit. Die ersten Symptome können schon vor dem Eintritt der Blutung beginnen und besonders ausgeprägt sind sie meistens am ersten Tag der Regel. Dann klingen die Menstruationsbeschwerden langsam ab und verschwinden spätestens mit dem Ende der Blutung (Chen, C.X., Draucker, C.B., Carpenter, J.S., 2018; Gutman MD, G., Nunez MD, A.T., Fisher MD, M., 2022, Erdbeerwoche & Studo, 2023).

Bei Menstruationsbeschwerden wird zwischen einer primären und einer sekundären Dysmenorrhoe unterschieden, wobei diese die gleichen Symptome zeigen. Lassen sich keine organischen Ursachen für die Menstruationsbeschwerden finden, spricht man von einer primären Dysmenorrhoe. Sie tritt typischerweise wenige Monate nach der ersten Regelblutung (Menarche) auf und bleibt mehr oder weniger lange, bei einigen Frauen sogar bis zur Menopause erhalten. Bei einer sekundären Dysmenorrhoe können z.B. eine Endometriose, d.h. eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, oder ein Myom, d.h. eine gutartige Vergrößerung der Muskulatur der Gebärmutter ursächlich sein. Entzündungen, Zysten oder mechanische Verhütungsmittel (Spirale) können ebenfalls zu starken Regelschmerzen führen. In dieser Arbeit geht es ausschließlich um die Behandlung von primärer Dysmenorrhoe.

Die Gründe, warum eine große Anzahl der Frauen unter Menstruationsbeschwerden leiden, bzw. woher diese kommen, können so unterschiedlich wie die Behandlungsmöglichkeiten sein. Der komplexe Pathomechanismus (Entstehung und Entwicklung der Beschwerden) dahinter ist noch nicht vollkommen erforscht bzw. verstanden. Eine ungesunde Ernährungsweise mit viel Zucker, Koffein, Alkohol, tierischen Fetten und Fertigprodukten, zu viel oder zu wenig Nahrungszufuhr, sowie Diäten und starker Gewichtsverlust können Probleme verursachen (Bajalan, Z., Alimorade, Z., Moafi, F., 2019). Ebenfalls beeinflussen zu wenig oder zu viel Bewegung, psychischer Stress, eine ungesunde Lebensstilführung, ein hormonelles Ungleichgewicht und weitere demografische, psychologische, physische, individuelle und soziale Parameter die Intensität und Symptome einer primären Dysmenorrhoe. Auf der biologischen Ebene handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von Endokrinem-, Kardiovaskulärem-, und Immunsystem, wobei bei einer Dysmenorrhoe ein erhöhter Spiegel des Hormons Prostaglandin, welches mit der Schmerzwahrnehmung und Regulierung des Fortpflanzungssystems zusammenhängt, festzustellen ist. (Bajalan, Z., Moafi, F., MoradiBanglooei, M., Alimoradi, Z., 2019; Barcikowska, Z. et al., 2020).


Eine qualitative, thematische Analyse aus dem Jahr 2018 mit 225 Frauen hat erforscht, wie Frauen ihre Dysmenorrhoe erleben, um Herausforderungen, Probleme, Lösungen und Bedürfnisse der Betroffenen zu analysieren. Außerdem sollten die eigenen Perspektiven der Frauen dargestellt werden, um so zu einer personenzentrierteren-, und individuelleren therapeutischen Betreuung bei Dysmenorrhoe beizutragen. Dieses Paper wurde in sechs Themenbereiche mit folgenden Feststellungen eingeteilt: (1) die Symptom-, und Beschwerden-Erfahrung während der Periode unterschied sich bei den Frauen, (2) die Beschwerden änderten sich während des Zyklus, (3) verschiedene Faktoren beeinflussten das Erleben der Beschwerden, (4) nahezu alle Frauen fühlten sich in ihrem Alltag beeinträchtigt, (5) Dysmenorrhoe wurde aus Sicht der Frauen weder von ihnen selbst, noch von Gesundheitsdienstleistern oder der Gesellschaft als legitimes Gesundheitsproblem angesehen und (6) die Behandlung von Frauen mit Regelschmerzen unterschied sich hinsichtlich eigener Akzeptanz und Wirksamkeit (Chen, C.X., Draucker, C.B., Carpenter, J.S., 2018).


4. Yoga als Therapie bei zyklusbedingten Störungen

4.1 Yoga als Therapie bei typischen Frauenbeschwerden


Klassischerweise werden Menstruationsbeschwerden primär durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), also entzündungshemmende Medikamente, ärztlich behandelt. Als zweite Behandlungsmöglichkeit, besonders wenn die erst genannte nicht hilft, wird gewöhnlich eine Hormontherapie (hormonale Kontrazeption) durch östrogen-, und/oder gestagenhaltige Präparate verschrieben. Beide Behandlungen können bei häufiger bzw. regelmäßiger Anwendung zu mehr oder weniger problematischen Nebenwirkungen (Schädigung der Magenschleimhaut, Magen-Darm-Blutungen, Geschwüre, Übelkeit, Dyspepsie, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schädigungen der Nieren, Leber und des Kreislaufsystems, Erhöhung des Thromboserisikos etc.) führen (Barcikowska, Z. et al., 2020).

Alternativ können Menstruationsbeschwerden durch Physiotherapie, Ernährungs-, und Lebensstilumstellungen, Wärmetherapie, Bewegungstherapie, Osteopathie, Aromatherapie, Akupunktur, Homöopathie, Phytotherapie oder Yoga behandelt werden. Alle diese Methoden wurden im Hinblick auf zyklusbedingte Frauenbeschwerden bzw. Menstruationsbeschwerden bereits wissenschaftlich untersucht und bei der Mehrheit zeigt sich eine mehr oder weniger starke Evidenz im Zusammenhang mit der Behandlung von Dysmenorrhoe (Gutman, G., Nunez, A.T., Fisher, M., 2022; Barcikowska, Z. et al., 2020).

Wie Yoga auf verschiedensten Ebenen wirken kann, bei unterschiedlichen Gesundheitsproblemen, Beschwerden und Krankheiten unterstützend wirkt und, dass das Forschungsfeld wächst, wurde in der Einleitung und in Kapitel zwei bereits dargelegt. Nun werden einige Forschungsarbeiten dargestellt, die Yoga in Zusammenhang mit typischen Frauenbeschwerden und dann speziell zur Dysmenorrhoe, untersuchen. Es gibt zahlreiche Studien dazu, wie Yoga bei Frauenbeschwerden eingesetzt wird und wie bzw. ob es einen Einfluss auf Symptome hat. Eine Beschwerde, die vor der Menstruation auftritt und welche rund 80% der Frauen betrifft, nennt sich Prämenstruelles Syndrom, kurz PMS. PMS kennzeichnet sich durch emotionale, verhaltensbezogene und körperliche Symptome, welche in der zweiten Zyklushälfte auftreten und bis zum Eintreten der Menstruation anhalten. In einem systematischen Review mit 11 Studien, wurde der Effekt von Yoga auf die Linderung und den Umgang von/mit prämenstruellen Symptomen analysiert. Diese Meta-Analyse ergab, dass, obwohl die einzelnen Studien sich im Design, Teilnehmerzahl und Yogaintervention unterschieden, Yoga bei allen eine nützliche und wohltuende Intervention darstellte (Pal, A., Nath, B., Paul, S., Meena, S., 2022). Eine Interessante Erhebung aus dem Jahr 2019 untersuchte die unterschiedlichen Effekte einer Yogaintervention und einer aeroben Bewegungsintervention auf die Beschwerden bei Prämenstruellem Syndrom. Dafür wurden 72 Personen (mit PMS, Durchschnittsalter 28 Jahre) in zwei Gruppen (1. Physiotherapie, 2. Yoga) eingeteilt und einen Monat lang für drei Mal die Woche à 40 min behandelt. Die Beschwerden- und Schmerzintensität wurde vor, nach 15 Tagen und am Ende der Intervention gemessen. Bei beiden Gruppen wurde eine signifikante Reduzierung der Schmerz- und Beschwerdenintensität festgestellt, wobei die Beschwerdenintensität bei der Yoga-Gruppe, im Vergleich zur Physiotherapie Gruppe, signifikant mehr reduziert wurde (Vaghela. N., Mishra, D., Sheth, M., Dani, V. B., 2019). Das PCO-Syndrom (Polyzystisches Ovar-Syndrom) zählt ebenfalls zu den zyklusbedingten Frauenbeschwerden, welche ca. 4-12% der Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Hierbei treten an den Eierstöcken kleine, wassergefüllte Bläschen auf, die Ursache hierfür ist unklar. Es entstehen schwerwiegende Folgen wie unregelmäßige Zyklen, Unfruchtbarkeit, männliche Körperbehaarung und männliche Statur und ein erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen und psychische Probleme. Yoga wirkt auch hier in der Therapie und Behandlung erfolgreich bei PCO’S, welches mit-, oder ohne Medikamente behandelt wird (Thakur, D., Singh, D. S. S., Tripathi, D. M., Lufang, D., 2021). Eine andere Meta-Analyse aus demselben Jahr mit rund 11 experimentellen Studien und 515 Teilnehmerinnen mit PCO’S ergab die Tendenz, dass eine Therapie mit Yoga signifikant zur Verringerung von Menstruationsunregelmäßigkeiten, Hyperandrogenämie (hormonelle Störung) und Blutzucker Werten führt. Die Evidenz hierfür scheint allerdings gering zu sein, da es mehr aussagekräftige randomisierte Studien braucht, um eindeutige Schlüsse ziehen zu können (Verma, A., Upadhyay, V., Saxena, V., 2021).

Eine Meta-Analyse, die 13 randomisierte, kontrollierte Studien mit 1306 Teilnehmerinnen auf die Behandlung von Yoga bei Wechseljahrbeschwerden untersuchte, ergab, dass Yoga eine effektive Methode zur Reduzierung von Wechseljahrbeschwerden darstellen kann, die Effekte aber mit denen anderer Bewegungsintervention zu vergleichen sein (Cramer, H., Peng, W., Lauche, R., 2018). In einer weiteren Untersuchung zu Wechseljahrbeschwerden mit 104 Teilnehmerinnen, welche für 20 Wochen wöchentlich Yoga übten und mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls n=104, wurden ähnliche Ergebnisse erforscht. Gleichzeitig wurde der Effekt von Yoga auf Depressions-, Angst-, Stress-, und Schlaf-Parameter untersucht und zeigte hier einen starken Effekt bei postmenopausalen Frauen. Yoga verbesserte signifikant die Schlafqualität (Susanti, H. D., et al., 2022). Als letztes ist der Einsatz von Yoga als Therapie in-, und nach der Schwangerschaft zu nennen. Pränatales Yoga scheint bei Symptomen während der Schwangerschaft, wie Depressionen und Ängsten, eine signifikante Verbesserung zu bewirken (Lin, I., Huang, C., Chou, S., Shih, C., 2022). Außerdem kann es starken Geburtsschmerzen vorbeugen, die Zahl der natürlichen Geburten erhöhen und auch nach der Geburt zu mehr Wohlbefinden führen als bei Frauen, die während der Schwangerschaft kein Yoga praktizierten (Bolanthakodi, C., et al., 2018).


4.2 Yoga als Therapie bei Menstruationsbeschwerden


Nachdem nun die (therapeutische-) Wirkung von Yoga bei verschiedenen zyklusbedingten und weiteren Frauenbeschwerden skizziert wurde, wird nun speziell auf Menstruationsbeschwerden, hier die primäre Dysmenorrhoe, wie in Kapitel drei bereits definiert, eingegangen. In einer Interventionsstudie wurde die Wirkung eines speziell entwickelten Yoga-Programms auf Menstruationsbeschwerden, körperliche Fitness und Lebensqualität (QOL-quality of life: Vitalität, Funktionsfähigkeit, mentale Gesundheit, soziale Aspekte, körperliche Schmerzen und weitere Gesundheitsbereiche) von Frauen im Alter von 18-22 Jahren untersucht. Dafür wurden 34 Frauen nach dem Zufallsprinzip in eine Kontroll-, und eine Yoga-Gruppe eingeteilt. Menstruationsschmerzen, körperliche Fitness und Lebensqualität wurden zu Studienbeginn und am Ende des 12-wöchigen Interventionszeitraums gemessen. Die Yoga-Gruppe praktizierte zweimal pro Woche 30 Minuten am Tag Yoga, während die Kontrollgruppe keinerlei Übungen erhielt. Es wurden signifikant höhere Verbesserungen der Menstruationsbeschwerden, der körperlichen Fitness und der Lebensqualität in der Yoga-Gruppe festgestellt. Dies wurde auf die Verknüpfung von Körperbewegungen mit der bewussten Atmung beim Yoga zurückgeführt, da es eine Entspannungsreaktion im neuroendokrinen System aktivieren kann. Außerdem beeinflusst es Stoffwechsel, Atmung, Herzfrequenz, Blutdruck und Muskelspannung positiv. Abschließend wurde empfohlen, Yoga als mögliche komplementäre Therapie bei primärer Dysmenorrhoe einzusetzen. Die kleine Stichprobengröße und fehlende Informationen über den Einsatz von Medikamenten (NSAR’S) limitieren diese Studie (Yonglitthipagon, P., et al., 2017).

Ein systematisches Review aus dem Jahr 2018 konzentrierte sich ausschließlich auf die Lebensqualität (QOL) und die dazugehörigen Parameter im Zusammenhang mit Yoga bei primärer Dysmenorrhoe. Es wurden 14 Studien, mit n=1409 und Frauen im Alter zwischen 13-45 Jahren ausgewertet. Statistisch verbesserten sich fast alle QOL-Parameter nach den jeweiligen Yoga-Interventionen. Besonders die des physischen Schmerzes, des Schlafs-, und der Schlafqualität, der Konzentrationsfähigkeit, der negativen Gefühle, der sozialen Beziehungen, der Arbeitskapazität und des allgemeinen Wohlbefindens. Die Ergebnisse deuten auf vorläufige Beweise dafür hin, dass Yoga eine sichere und wirksame Methode zur Verbesserung der Lebensqualität bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden ist. Für zukünftige Forschung sind größere randomisierte kontrollierte Studien von hoher methodischer Qualität erforderlich, um das Ausmaß der klinischen und therapeutischen Bedeutung von Yoga zu ermitteln (McGovern, C., E. & Cheung, C., 2018). Der Effekt von Yoga auf das Schmerzempfinden bei Menstruationsbeschwerden wurde in einer aktuellen, experimentellen Forschung dargelegt. 60 Frauen (Durchschnittsalter 20,5 Jahre) wurden in eine experimentelle- sowie in eine Kontrollgruppe eingeteilt. Die 30 Frauen der experimentellen Gruppe nahmen an einem 12-wöchigen (drei Menstruationszyklen) Yoga-Programm teil, welches einmal die Woche stattfand. Für den Datenerfassungsprozess wurden die visuelle Analogskala (VAS) und das sogenannte „Dysmenorrhea Monitoring Form (DMF)“ (eng.: „Formular zur Dysmenorrhoe Überwachung“) vor- und nach der Intervention verwendet. Die Differenz der Schmerzwahrnehmung zu Beginn und am Ende der Yoga-Gruppe war statistisch signifikant reduziert, während bei der Kontrollruppe keine signifikanten Unterschiede zu Beginn und am Ende des Testzeitraums festzustellen waren. Hieraus kann geschlossen werden, dass Yoga eine effektive Intervention für die Reduzierung von menstruationsbedingten Schmerzen darstellt (Kirca, N. & Celik, A. S., 2023). Eine ältere randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2013 untersuchte anhand von zwei Gruppen mit n=150 den Effekt von Yoga Nidra (Tiefenentspannung) auf das Hormonprofil der teilnehmenden Frauen. Wie bereits in Kapitel drei beschrieben, sind die Ursachen für zyklusbedingte Beschwerden vielfältig, hängen jedoch oft mit einem hormonellen Ungleichgewicht zusammen, daher ist das Ergebnis dieser Studie von Bedeutung. Denn nachdem die Frauen für sechs Monate lang fünf Tage die Woche jeden Tag 35-40min Yoga Nidra praktizierten, änderten sich die Hormonprofile der experimentellen Gruppe signifikant. Die Hormone, die mit Unregelmäßigkeiten zusammenhängen bzw. vorher in zu hoher Konzentration vorzufinden waren, reduzierten sich auf ein gesundes Level im Vergleich zur Kontroll-Gruppe (Rani, M., et al., 2013).



5. Diskussion und Fazit


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die oben genannten Studien stark darauf hindeuten, dass Yoga-Interventionen erfolgreich in der Behandlung und Therapie von Menstruationsbeschwerden (und darüber hinaus bei allgemeinen Frauenbeschwerden) eingesetzt werden könnten. Es kann die Lebensqualität, Schmerzempfinden, körperliche Fitness, Stimmung und sogar das Hormonprofil der Betroffenen positiv beeinflussen. Yoga bietet durch seine Vielfältigkeit, die niedrigen Kosten im Vergleich zu medikamentösen Therapien und das geringe Gesundheitsrisiko bzw. keine Nebenwirkungen, eine große Chance, besonders in der alternativen bzw. komplementärmedizinischen Behandlung von Dysmenorrhoe. Abschließend ist zu nennen, dass es allenfalls weiterer Forschung zum Zusammenhang zwischen Yoga und zyklusbedingten Störungen bedarf. Dabei wäre es sinnvoll, auf die Konsistenz und Qualität der Forschungsmethoden zu achten und größere Stichprobenerfassungen durchzuführen. Außerdem sollten die erforschten Yoga-Interventionen möglichst für den Alltag anwendbar sein bzw. im Gesundheitssystem als (ergänzende) Behandlungsmöglichkeit für Menstruationsbeschwerden erwägt und im besten Fall etabliert werden.

Die Yogatherapie, wie in Kapitel zwei nach DeGYT definiert, könnte ein interessantes und bedeutendes Forschungsfeld im Zusammenhang mit Dysmenorrhoe darstellen, da diese sehr individuell, ressourcenorientiert und nachhaltig im Sinne von Eigenverantwortung, arbeitet. Wie in den vorangegangenen Kapiteln erläutert, sind nicht nur Symptome und Ursachen, sondern auch das Erleben und die Behandlungsmöglichkeiten von Menstruationsbeschwerden sehr komplex und vielschichtig. Da diese von jeder Frau anders erlebt werden und sich daher auch die Bedürfnisse unterscheiden, ist es für weitere Forschung anregend, Yogatherapie beispielsweise in From von individuellem Yogaunterricht, speziell auf die Bedürfnisse und Beschwerden der Klientin angepasst, zu untersuchen. Dies sollte im Hinblick auf einen längeren Zeitraum (z.B. 6-12 Monate) und die Eigenermächtigung der Frauen, aktiv selbst Yoga für ihre Beschwerden zu praktizieren, erfolgen. Dies zu untersuchen wäre höchstwahrscheinlich mit hohem Aufwand verbunden, könnte aber das Ausmaß der klinischen und therapeutischen Bedeutung von Yoga weiter ermitteln. Inkonsistenzen und mangelnde Qualität in der Yogaforschung erschwert oftmals die Übertragung und Anwendung in die Gesundheitspflege. Um diese Kluft zu schließen, die Qualität zu steigern und Transparenz zu gewährleisten, hat ein globales Forschungsteam Richtlinien für die Mindeststandards der Berichtserstattung und Forschung von Yoga erstellt („CLARIFY guidelines“). Diese sollten für weitere Yoga-Forschungen unbedingt beachtet werden (Moonaz, S., Nault, D., Cramer, H., Ward, L., 2021).


6. Literaturverzeichnis


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DeGYT. Deutsche Gesellschaft für Yogatherapie. Yogatherapie. Verfügbar unter: DeGYT • Deutsche Gesellschaft für Yogatherapie e.V. (Stand: 23.08.2023). Asperg: DeGYT e.V.

Dutta, A., Archunan, M., Mukherjee, A., Metri, K.G., Ghosh, K., Basu-Ray, I. (2022). A Comprehensive Reviwe of Yoga Research in 2020. In: Integr Complement Med., 28(2), S. 114-123. Doi: 10.1089/jicm.2021.0420.

Erdbeerwoche & Studo. (2023). Menstruationsumfrage 2023. Verfügbar unter: erdbeerwoche-Menstruations-Umfrage (Stand: 23.08.2023).

Gutman, G., Nunez, A.T., Fisher, M. (2022). Dysmenorrhea in adolescents. In: Curr Probl Pediatr Adolesc Health Care, 52(5). Doi: 10.1016/j.cppeds.2022.101186.

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