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Was ist Yoga?

29. Sept. 2021
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Feb. 2024

Herkunft, Asana, Pranayama & Meditation


menschen die zusammen yoga machen

Yoga ist ursprünglich eine philosophische Lehre aus Indien, mit einer über 2000 Jahre alten Geschichte. In Indien wird es ausgeübt, um körperliche und geistige Gesundheit ebenso wie spirituelles Wachstum und Bewusstseinserweiterung zu erreichen. In westlichen Ländern dient Yoga vor allem als Entspannungsmethode, bei der Körperübungen und Atemtechniken im Vordergrund stehen.


Der Begriff Yoga stammt aus dem indischen Sanskrit (altindische Sprache) und bedeutet so viel wie „Einheit“, „Verbindung“, „Vereinigung“. Körper, Seele und Geist sollen sich durch die Yogapraxis verbinden und Eins-werden. Dadurch, dass der Mensch sich als Ganzes mit Körper, Seele und Geist wahrnimmt kann er in der Lage sein das Übernatürliche/Göttliche wahrzunehmen und sich mit diesem zu verbinden. Durch die Yogaübungen kann die Verbundenheit zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und allen anderen Lebewesen, dem gesamten Kosmos und Gott gefunden und gestärkt werden.


Die ersten Beschreibungen des Yogas stammen aus der Zeit um Christus herum von dem indischen Philosophen Patanjali, welcher die Yoga-Sutras (Leitfaden des Yogas) verfasst hat. Er beschreibt acht Entwicklungsstufen auf dem Weg des Yogas hin zum „guten Leben“, zur vollkommenen Gesundheit und Einheit von Körper und Geist. Dieser führt von der Verbesserung der Lebensführung (Umgang mit uns selbst, anderen Menschen und der Natur, soziale und moralische Verhaltensregeln) über Körper-, und Atemübungen (Yoga-Asanas und Pranayama, die Körperhaltungen, die die meisten von uns kennen) zur Entwicklung geistiger und spiritueller Eigenschaften (geistige Ruhe, Kontemplation, Meditation, Erkenntnis). Dies könnte noch weiter ausgeführt werden, doch ich schließe damit, dass Yoga tatsächlich viel mehr beinhaltet, als nur die reine Asana, also die körperliche Praxis, wie wir sie im Westen eher kennen.


Es gibt außerdem viele verschiedene Yoga-Stile, die sich oft auf eine oder mehrere der acht Entwicklungsstufen im Yoga fokussieren. Im Westen werden vor allem die Yoga-Stile Hatha-Yoga, Vinyasa-Yoga und Yin-Yoga praktiziert. Diese setzten sich wesentlich aus den drei Säulen Asana, Pranayama und Meditation zusammen.


Asana, Pranayama & Meditation/Kontemplation


Asana – körperliche Übungen


Die körperliche Komponente des Yogas, das heißt verschiedene Körperhaltungen-, und Bewegungen, welche den Körper dehnen, kräftigen und mobilisieren. Verspannungen können sich lösen, die Flexibilität wird gefördert und Muskeln gekräftigt. Das Nervensystem kann sich entspannen, Stress wird abgebaut und der Geist kann dadurch zur Ruhe kommen. Ganz ursprünglich wurden die Körperübungen ins Yoga integriert, um das in-Stille-Sitzen während des Meditierens zu erleichtern.


Pranayama – Atemtechniken


Prana meint „Lebensenergie“, „Lebensatem“ und Yama „Kontrolle“ – Pranayama ist die bewusste Kontrolle des Atems. Verschiedene Atemtechniken können den Atem vertiefen und regulieren, sodass das Blut optimal mit Sauerstoff versorgt werden kann, überschüssiges Kohlendioxid abgeatmet wird und die inneren Organe belebt und angeregt werden. Es wird möglich, sich zu fokussieren und zu konzentrieren, zur Ruhe zu kommen und das innere Gleichgewicht zu finden. Die Atemtechniken wirken sich positiv auf Atmungssystem, Nervensystem, Herz-Kreislaufsystem, Verdauungssystem und endokrines System aus.



Meditation/Kontemplation (Dhyana) – geistliche Übung


Dhyana bedeutet Meditation, Kontemplation, Reflexion, Nachsinnen, nach innen-Schauen oder Versenkung. Klassisch sitzt man dabei im Schneidersitz oder auf den Fersen und lenkt seine Aufmerksamkeit von dem Außen auf das Innen. Es gibt verschiedene Formen der Meditation und der Kontemplation – im Yoga, aber auch in allen Weltreligionen finden wir Formen des Meditierens, Nachsinnens, Innehaltens, des in-der-Stille-Verweilens.


Kontemplation stammt von dem lateinischen Wort „contemplatio“, was so viel heißt, wie eine „geistige Anschauung oder Betrachtung“, oder das „Richten des Blickes nach Innen oder auf einen Gegenstand oder ein Objekt, um darüber Erkenntnis zu gewinnen“. Im christlichen Kontext ist das Gott oder dessen Wirken. Praktisch das Bemühen, Erkenntnis und Wahrheit zu gewinnen, indem ohne jegliche Ablenkung in der Stille verweilt wird. Ich finde die englischen Bezeichnungen „inner gathering of thoughts“, „inscape“ und „a long, loving look at the real“ treffend. In der christlichen Spiritualität und Mystik (z.B. Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila, Ignatius von Loyola, Symeon der neue Theologe, Meister Eckhardt) sind das Herzensgebet, das Jesusgebet oder die Lectio divina (meditatives Lesen der Bibel) Beispiele für christliche Meditation und Kontemplation in Verbindung mit der Atmung. Es wird unterschieden zwischen kataphatischer und apophatischer Spiritualität – das Gebet und die Meditation mit Bewusstseinsinhalten: Bilder, Symbole, Vorstellungen und Begriffe und der Kontemplation „ohne alles“: das reine, leere Bewusstsein ohne Bilder, Wörter oder Vorstellungen.


Pfarrvikar Matthias Karwath fasst es treffend zusammen: „Kontemplation lenkt die Aufmerksamkeit von der „Zerstreuung unseres Lebens“, also dem Alltag und den damit verbundenen Problemen, hin zu mehr Achtsamkeit gegenüber sich selbst, den Mitmenschen, der Schöpfung und der Gegenwart Gottes."


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